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Unilever
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Unilever plc ist ein multinationaler Konzern mit Hauptsitz in London. Das Unternehmen ist weltweit einer der grĂ¶ĂŸten Hersteller von VerbrauchsgĂŒtern. Die HauptgeschĂ€ftsbereiche umfassen die Produktion von Nahrungsmitteln, Kosmetika, Körperpflege- sowie Haushalts- und Textilpflegeprodukten. Unilever beschĂ€ftigte 2016 weltweit 168.000 Mitarbeiter in ĂŒber 100 LĂ€ndern (1990 noch 304.000). In Deutschland waren 2013 rund 5.000 Mitarbeiter tĂ€tig (1962: 36.000 MA, 1990: 27.400 MA, Ende 2005: 8.000 MA). Die 2008 gebildete Unilever-Organisation fĂŒr die LĂ€nder Deutschland, Österreich und Schweiz (D-A-CH) hat ihren Sitz in Hamburg, Wien und Thayngen (Kanton Schaffhausen).

Mit einem Umsatz von 60,6 Mrd. US-Dollar, bei einem Gewinn von 6,9 Mrd. USD, steht Unilever laut Forbes Global 2000 auf Platz 103 der weltweit grĂ¶ĂŸten börsennotierten Unternehmen (Stand: GJ 2017). Das Unternehmen kam Mitte 2018 auf eine Marktkapitalisierung von ca. 156 Mrd. USD.cite-ref-3[3]

Unilever ging 1929 aus der Fusion der ursprĂŒnglich niederlĂ€ndischen Margarine Unie mit dem britischen Seifen- und Waschmittelhersteller Lever Brothers hervor. Von 1929 bis 2020 war es eine Dual-listed Company, bestehend aus der niederlĂ€ndischen Unilever N.V. mit Sitz in Rotterdam und der britischen Unilever plc mit Sitz in London. 2020 wurde das niederlĂ€ndische Unternehmen auf die britische Gesellschaft verschmolzen.

Contents

‱ Geschichte
‱ Struktur
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Geschichte

VorgÀngergesellschaften (1888 bis 1929)

Van den Bergh – Antoon Jurgens – Margarine Unie

1888 grĂŒndete der aus dem niederlĂ€ndischen Oss in Noord-Brabant stammende Margarinefabrikant Simon van den Bergh im niederrheinischen Kleve das Unternehmen Margarinewerke Van den Bergh fĂŒr die industrielle Herstellung von Margarine,cite-ref-4[4] um auf diese Weise die hohen Schutzzölle des Deutschen Reiches auf Butter und Margarine zu umgehen.

Sein Landsmann Antoon Jurgens, der 1871 das Margarine-Patent des Hippolyte MĂšge-MouriĂšs gekauft hatte, errichtete unweit von Kleve in der Nachbarstadt Goch ebenfalls eine Fabrik zur Margarineherstellung. SpĂ€ter erwarb Jurgens zahlreiche MargarineproduktionsstĂ€tten in Deutschland; beispielsweise 1902 die Rossitzky & Witt G. m. b. H. in Altona, die Krog & Evers in Hamburg-Ottensen und 1904 den grĂ¶ĂŸten deutschen Konkurrenten, die bereits 1880 gegrĂŒndete Bahrenfelder Margarinewerke A. L. Mohr G. m. b. H. in Hamburg-Bahrenfeld. Insgesamt gehörten Jurgens 1927 zwölf Fabriken im Deutschen Reich.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6]cite-ref-7[7]cite-ref-8[8] Im Jahr 1927 fusionierten die beiden Familienunternehmen Jurgens und van den Bergh zur Margarine Unie in Rotterdam und in London zur Margarine Union. Das deutsche Tochterunternehmen war Margarine-Union.

Lever Brothers

William Hesketh Lever und sein Bruder James Darcy Lever grĂŒndeten 1885 die Seifenfabrik Lever Brothers, die zunĂ€chst in Warrington in Nordwestengland beheimatet war und spĂ€ter auf die Halbinsel Wirral westlich von Liverpool verlegt wurde. Ihr Produkt war innovativ, weil sie Palmöl statt Talg fĂŒr die Seifenherstellung verwendeten, und fand großen Absatz. Die GebrĂŒder Lever gaben ihm den Namen „Sunlight Soap“ und errichteten als Wohnort fĂŒr die Fabrikarbeiter die Modellsiedlung Port Sunlight. Als deren deutscher Ableger entstand 1899 in Mannheim die Sunlicht-Seifenfabrik, die im Jahre 1914 unter dem Eindruck einer drohenden Staatsenteignung – bedingt durch den Ersten Weltkrieg – an die SĂŒddeutsche Disconto-Gesellschaft verĂ€ußert, 1916 in eine AG gewandeltcite-ref-9[9] und dann 1924 von Lever zurĂŒckgekauft wurde.cite-ref-10[10]cite-ref-11[11]

1929/1930 vereinigten sich schließlich Margarine Unie und Lever Brothers Ltd. zu Unilever. Die Vereinigung stellte die bis dahin grĂ¶ĂŸte Unternehmensfusion dar.

Stagnation (1929 bis 1945)

Parallel wurde 1929 aus dem Zusammenschluss von zehn Unternehmen, darunter die Georg Schicht AG, die Unilever Österreich gegrĂŒndet, die 1938 – nach dem Anschluss Österreichs – in die Unilever Deutschland integriert wurde. 1932 waren 69 Unternehmen sowie weitere 31 im Besitz von Unilever. Dazu gehörte auch die 1916 gegrĂŒndete ParfĂŒmerie Elida AG. 1935 kamen wegen strenger Devisenbestimmungen (eingefĂŒhrt im Zuge der Weltwirtschaftskrise), die den Abfluss von Geldern aus Deutschland zum Mutterkonzern nach Rotterdam verboten, Unternehmen wie Langnese sowie SchmelzkĂ€se-Hersteller, Textil- und Papierfabriken zum Unternehmen hinzu.

Expansion (1945 bis 1970)

1948 lief die Produktion in den meisten Betrieben wieder an. 1958 wurde die deutsche Margarine-Union von einer Aktiengesellschaft in eine GmbH umgewandelt. 1960 ĂŒbernahm Unilever von der österreichischen Wiener Milchindustrie AG (MIAG) das 1927 gegrĂŒndete Milcheis-GeschĂ€ft, das Speiseeis unter dem Markennamen „Eskimo“ vertrieb.

Die Langnese-iglo GmbH entstand 1962 aus einem Zusammenschluss der beiden Unilever-Gesellschaften Langnese Eiskrem GmbH (seit 1936 bei Unilever) und „Iglo GmbH“. Im August 2005 wurde die Langnese-iglo GmbH ein Teil der Unilever Deutschland GmbH und fungierte nicht mehr als eigenstĂ€ndiges Unternehmen.

Konsolidierung (ab 1970)

Unilever trennte sich von unprofitablen Firmen, indem es etwa Textilfabriken verkaufte. Dieser Prozess der Umstrukturierung wurde auch in den 1980er Jahren fortgesetzt. Anschließend folgten Jahre des Wachstums, in denen Unilever viele Unternehmensbeteiligungen kaufte. Zu den Neuerwerbungen gehörten u. a. Marken wie Calvin Klein (ParfĂŒm- und Kosmetiklizenz), Bestfoods (mit Maizena, Ubena und Knorr), Ben & Jerry’s, Slim-Fast und Amora Maille.

In den vergangenen Jahren verlor das GeschĂ€ft von Unilever an Marktanteilen, der Umsatz stagnierte. In Deutschland wurde dies u. a. auf den Bedeutungsverlust von Markenartikeln und die Marktanteilssteigerungen von Discountern zurĂŒckgefĂŒhrt.

Im Jahr 2004 wurden mehrere Unilever-Marken, unter anderem Biskin (seit 1968 am Markt), Livio (seit 1958) und Palmin (seit 1894) an das Unternehmen Peter Kölln KGaA in Elmshorn verkauft.

In einem Restrukturierungsprozess wurde die FĂŒhrung des Unternehmens verkleinert. Die in Schaffhausen ansĂ€ssige Unilever Supply Chain Company AG wurde gegrĂŒndet, der alle europĂ€ischen Werke gehören.cite-ref-12[12]

Nach 45 Jahren, am 9. Februar 2006, gab Unilever den Verkauf seiner europĂ€ischen TiefkĂŒhlmarken Iglo und Birds Eye bekannt. Daher wurde am 1. Juli 2006 der Bereich TiefkĂŒhlkost in die neu gegrĂŒndete iglo GmbH ausgegliedert, die dann am 28. August fĂŒr 1,73 Milliarden Euro an die britische Investmentgesellschaft Permira verkauft wurde.

Im Jahr 2014 verĂ€ußerte Unilever einen Mehrheitsanteil an Slim-Fast an die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft Kainos Capital.cite-ref-13[13] Am 15. Dezember 2017 gab Unilever den Verkauf seiner Brotaufstrich-Sparte (darunter die Marken Rama, Becel, LĂ€tta, Sanella sowie Phase, Beta und Botteram) fĂŒr 6,825 Milliarden Euro an den Finanzinvestor KKR bekannt. Der Verkauf wurde am 2. Juli 2018 abgeschlossen. Ausgenommen war der GeschĂ€ftszweig SĂŒdafrika, der an Remgro verkauft wurde.cite-ref-14[14]

Unilever als rein britischer Konzern (seit 2020)

Im Oktober 2020 billigten die Unilever-AktionĂ€re den Beschluss des Vorstands, die Doppelstruktur mit Sitzen in Großbritannien und den Niederlanden aufzugeben und kĂŒnftig allein in London den Hauptsitz zu haben.cite-ref-15[15]cite-ref-16[16] Die Verschmelzung der niederlĂ€ndischen Unilever N.V. auf die britische Unilever PLC wurde am 30. November 2020 vollzogen. Seither ist Unilever ein rein britisches Unternehmen, die niederlĂ€ndische Unilever N.V. wurde aufgelöst.cite-ref-unification-17-0[17]cite-ref-retaildetail-eu-18-0[18]

Im November 2021 verkaufte Unilever seine Teesparte mit den Marken Lipton, PG Tips, Pukka, T2 und TAZO an CVC Capital Partners. Ausgenommen davon ist das TeegeschÀft in Indien, Indonesien und Nepal.cite-ref-19[19]

Im Februar 2023 verkaufte Unilever The Suave Company an Yellow Wood Partnerscite-ref-20[20]

Im Dezember 2023 verkaufte Unilever die Sparte Elida Beauty (mit mehr als zwanzig Schönheits- und Körperpflegemarken, darunter Q-tips, Impulse, Caress, Tigi, Timotei, Monsavon, Brut, Moussel, Alberto Balsam und VO5) ebenfalls an Yellow Wood Partners. Ausgenommen sind die Marken Pond’s und St. Ives.cite-ref-21[21]cite-ref-22[22]

Im MĂ€rz 2024 wurde bekanntgegeben, dass das GeschĂ€ft mit Eiscreme (Marken u. a. Langnese, Magnum, Ben & Jerry’s) bis Ende 2025 in eine eigenstĂ€ndige Firma ausgelagert werden soll.cite-ref-23[23] Seit Juli 2025 operiert die Eissparte als "The Magnum Ice Cream Company" als eigenstĂ€ndiges Unternehmen in der Unilever-Gruppe.cite-ref-24[24]cite-ref-25[25]

KonzernĂŒberblick

BeschÀftigte

Unilever beschĂ€ftigte 2016 weltweit 168.000 Mitarbeiter in ĂŒber 100 LĂ€ndern (1990 noch 304.000). In Deutschland waren 2013 rund 5.000 Mitarbeiter tĂ€tig (1962 waren es 36.000, 27.400 BeschĂ€ftigte 1990 und 8.000 Ende 2005).

Struktur

Heute ist Unilever ein britischer Konzern. Zuvor hatte das Unternehmen ab seiner Entstehung durch Fusion 1929 bis Ende November 2020 eine Doppelstruktur aus zwei gleichberechtigten Konzernteilen mit eigenen Aktien (Dual-listed Company): die niederlĂ€ndische Unilever N.V. sowie die britische Unilever PLC. Es gab zwei Hauptversammlungen, zwei Unternehmenssitze in Rotterdam und London, jedoch war der Vorstand von beiden Unternehmen – in Ă€hnlicher Konstruktion wie bis 2005 bei dem Unternehmen Royal Dutch Shell – identisch. Beide wurden ab 1. Januar 2019 von dem Schotten Alan Jope geleitet. Im November 2020 wurde die niederlĂ€ndische N.V. auf die britische PLC verschmolzen.cite-ref-unification-17-1[17]cite-ref-retaildetail-eu-18-1[18]

Die Aktien der Gesellschaft sind an der Londoner Börse im FTSE 100 notiert und wie vor der Fusion auch an der Amsterdamer Börse im AEX-Index. ZusÀtzlich ist die Unilever-Aktie noch an der New York Stock Exchange notiert.

Unilever ist ein Konglomerat und unterhÀlt unter anderem folgende Tochterunternehmen:

‱ Ben & Jerry’s, gegrĂŒndet 1978, seit 2000 Bestandteil von Unilever
‱ Bestfoods, gegrĂŒndet 1916, seit 2000 Bestandteil von Unilever
‱ Hindustan Unilever, gegrĂŒndet 1933
‱ Oswald Nahrungsmittel GmbH, gegrĂŒndet 1951, seit 2000 Bestandteil von Unilevercite-ref-26[26]
‱ Unilever Foodsolutions GmbH.

Standorte im deutschen Sprachraum

Verwaltung

Die im Rahmen einer neuen europĂ€ischen Strategie gebildete Drei-LĂ€nder-Organisation fĂŒr Deutschland, Österreich und die Schweiz hat ihren Hauptsitz seit 1. Januar 2008 in Hamburg. Dort ist auch, wie zuvor bereits, die weiterhin bestehende Unilever Deutschland GmbH ansĂ€ssig.

Die Hauptverwaltung zog im Juni 2009 aus dem bisherigen Unilever-Hochhaus in ein neues GebĂ€ude an den Strandkai in der HafenCity. Im neuen GebĂ€ude, entworfen vom ArchitektenbĂŒro Behnisch Architekten, öffnete sich das Unternehmen mit einem Lebensmittelladen, einem kleinen Spa, einem Eislokal mit einer Terrasse direkt an der Elbe neben dem noch zu bauenden Kreuzfahrtterminal dem Endverbraucher. Im Oktober 2020 wechselte der Sitz der Hauptverwaltung in das Hamburger Nikolaiviertel (Neue Burg 1).

Die Unilever Schweiz GmbH hat ihren Sitz in Thayngen. Sie entstand zum 1. Januar 2005 durch Fusion der Lusso Foods in Ostermundigen und der bisherigen Unilever Bestfoods Schweiz in Thayngen. Zum 1. Juli 2005 ging auch die zuvor in Zug ansÀssige Lever Fabergé darin auf.

Die Unilever Austria GmbH hat ihren Sitz in Wien.

Produktionsstandorte in Deutschland

Unilever besitzt mehrere Produktionsstandorte in Deutschland, produziert aber Ware fĂŒr den deutschen Markt teils auch im europĂ€ischen Ausland und exportiert deutsche Produkte in die ganze Welt.

An folgenden Standorten werden Produkte zur Körperreinigung und Hautpflege hergestellt:cite-ref-standorte-27-0[27]

‱ Buxtehude: Körperreinigung und Hautpflege
‱ Mannheim: Dove-WaschstĂŒcke

An folgenden Standorten werden Lebensmittel hergestellt:cite-ref-standorte-27-1[27]

‱ Auerbach: Fertigsuppen, Fertiggerichte, „Croutinos“
‱ Heilbronn: Suppen, Soßen, Soßenbinder, Salatdressings, Basisprodukte, Shakerflaschen, Produkte fĂŒr Foodsolutions
‱ Heppenheim: Langnese-Eiscremecite-ref-28[28]

UnternehmensfĂŒhrung

‱ Unilever PLC

‱ Fernando Fernandez, CEOcite-ref-29[29]

‱ Unilever Deutschland GmbH

‱ Stefan Pfeifer, Vorsitzender der GeschĂ€ftsfĂŒhrungcite-ref-30[30]

GeschÀftsbereiche, Marken und Produkte

| Lebensmittel | Reinigungs- und Putzmittel | Hygiene- und Kosmetikartikel |
|---|---|---|
| Amora Ben & Jerry’s Hellmann’s Knorr Kuner (Österreich) Langnese (Eismarke) Magnum Maille Maizena Mondamin Pfanni Unox Die Schweizer Marke Chirat und Oswald (Produkte von Unilever Schweiz GmbH mit dem Hauptsitz in Thayngen und Schaffhausen) | Coral (vorher: Korall) Domestos OMO Viss (Deutschland; in einigen LĂ€ndern, u. a. Österreich und Schweiz: Cif) Skip Sun Enka (Schweiz) | Axe Baba Dove dusch das Fissan Impulse (verkauft 2023) Lux Pond’s Rexona Signal (in einigen LĂ€ndern, u. a. Österreich, Italien: mentadent) Sunsilk TIGI (verkauft 2023) Timotei (verkauft 2023) |
| Amora Ben & Jerry’s Hellmann’s Knorr Kuner (Österreich) Langnese (Eismarke) Magnum Maille Maizena Mondamin Pfanni Unox Die Schweizer Marke Chirat und Oswald (Produkte von Unilever Schweiz GmbH mit dem Hauptsitz in Thayngen und Schaffhausen) | | |

Lebensmittel (Unilever Foods)

Mit einem umfangreichen Sortiment an Marken der Lebensmittelbranche gelingt es Unilever, einen Platz in den Top 5 der grĂ¶ĂŸten lebensmittelproduzierenden Unternehmen einzunehmen. Der Lebensmittel-Bereich trĂ€gt zu zirka 40 % am gesamten Konzernumsatz bei. Zu diesem Sortiment gehören Marken wie Bertolli, Becel oder Lipton, jedoch auch viele deutsche Marken wie Du darfst, Mondamin, Rama, LĂ€tta, Knorr oder Langnese sowie auch die aus der Unilever Österreich eingebrachten österreichischen Marken wie Eskimo und Iglo (1970 zu Eskimo-Iglo verschmolzen, seit 2005 eigenstĂ€ndig), Apollo, Kuner (gegrĂŒndet als Kunerol), Elida, Bensdorp (Anfang 2007 verkauft) etc.

Eine hundertprozentige Tochter des Unilever-Konzerns war Frozenfish, einer der grĂ¶ĂŸten Fischfangbetriebe und Zulieferer namhafter Fischproduzenten. Dieser Betrieb gehört nun Permira, das die gesamte TiefkĂŒhlkostsparte (Marke iglo) von Unilever erworben hat. Somit wurde auch der letzte fischverarbeitende Betrieb nach dem Verkauf der Frischfisch-Verkaufskette Nordsee, der Kombination Fischfangflotte und Verarbeitungsunternehmen Deutsche See (Bremerhaven) und dem Fischkonservenproduzenten Norda-Lysell (Cuxhaven), abgegeben.

2005 verkaufte Unilever die Traubenzucker-Marke Dextro Energy an die deutsche Zertus GmbH.

Abgesehen von Einnahmen aus dem Verkauf von Endkundenprodukten ist Unilever auch auf dem Gebiete der Rohstofferzeugung tÀtig. Dies beinhaltet sowohl eigene Tee-Plantagen als auch eigene Palmöl-Plantagen. (AR07)

heartbrand

Unilever ist nach eigenen Angaben der weltgrĂ¶ĂŸte Eiscreme-Hersteller. Die Eiscreme wird weltweit mit landeseigenen Namen (z. B. Deutschland Langnese, Österreich Eskimo, Schweiz Lusso, Vereinigtes Konigreich Walls, Frankreich Miko, TĂŒrkei, Italien und Griechenland Algida, Philippinen Selecta) aber einheitlichem Logo (Heartbrand) verkauft, da die jeweiligen Namen bereits vor der Übernahme durch Unilever einen großen Bekanntheitsgrad erlangt hatten.

Langnese-Eiscreme wurde lange Zeit von der Langnese-Iglo GmbH als Teil der Unilever Deutschland produziert und vertrieben. Nachdem die juristischen Einzelgesellschaften zu einer Gesellschaft verschmolzen wurden, wird Langnese in Deutschland von der Unilever Deutschland GmbH produziert und vertrieben.

Haushalts- und Textilpflege

Im sich seit Jahren rapide verĂ€ndernden Markt fĂŒr Waschmittel, Putz- oder Reinigungsmittel ist Unilever mit Marken wie Domestos, Cif, Skip, OMO, SUN, Coral und Viss vertreten.

Körperpflege

Im Markt der Körperpflegeprodukte ist Unilever mit Marken wie Axe, Dove, Impulse, Lux, dusch das, Rexona, Sunsilk, Timotei, Pond’s, Baba, Suave Clear, TIGI Haircare, Lifeboy (deodorierte Seife), Vaseline und Vasenol vertreten, Signal und Close up im Mundhygiene-Bereich. Einige dieser Produkte enthalten noch immer Mikroplastik.cite-ref-31[31]cite-ref-32[32]

Kontroversen und Kritik

Palmölkontroverse

Im Jahr 2008 legte das Unternehmen PALMCI im Auftrag von Unilever SumpfwĂ€lder in der ElfenbeinkĂŒste trocken und rodete diese fĂŒr Palmöl-Plantagen. Diese sind die letzten RĂŒckzugsgebiete bedrohter Tierarten wie der Dianameerkatze, des Geoffroy-Stummelaffen und einer Unterart des Roten Stummelaffen, deren letztes RĂŒckzugsgebiet im TanoĂ©-Wald liegt.cite-ref-33[33] Unilever ist mit jĂ€hrlich 1,6 Millionen Tonnen der grĂ¶ĂŸte Bezieher von Palmöl weltweit.cite-ref-34[34]

Der frĂŒhere Unilever-Chef Patrick Cescau kĂŒndigte daraufhin an, das Unternehmen werde sich verpflichten, den gesamten Bedarf an Palmöl ab 2015 nur noch von Lieferanten zu beziehen, die fĂŒr nachhaltigen Anbau zertifiziert sind.cite-ref-35[35] Im Jahr 2004 grĂŒndete Unilever zusammen mit anderen Unternehmen und dem WWF den Runden Tisch zu nachhaltigem Palmöl-Anbau (RSPO) und hat 2015 verkĂŒndet, es werde ein Moratorium zur Regen- und Torfwaldabholzung in Indonesien unterstĂŒtzen.cite-ref-36[36] Die UNO befĂŒrchtete aber bereits fĂŒr das Jahr 2012 die völlige Vernichtung der WĂ€lder auf Sumatra und Borneo. Unilever wird von der Umweltschutzorganisation Robin Wood seit lĂ€ngerer Zeit kritisiert, da es Palmöl von dem asiatischen Agrarunternehmen Wilmar bezieht. Dieses betreibe auf Sumatra Raubbau fĂŒr ihre Plantagen und verdrĂ€nge die indigene Bevölkerung Sumatras mit Waffengewalt. Die Zertifizierung Wilmars durch den RSPO als nachhaltige Palmöllieferanten wird von Robin Wood als nichtig bezeichnet, weil die Industrie sich hier nur selbst zertifiziere.cite-ref-37[37]

Zu Biokraftstoffen Ă€ußerte sich Unilever-Chef Paul Polman, der vorĂŒbergehende Auftrieb der Getreidepreise im Jahr 2008/09 sei eine „perverse Folge“ hoher Biokraftstoff-Subventionen in den IndustrielĂ€ndern.cite-ref-38[38] Unilever als bedeutendstem Plantagenbetreiber Afrikas wird laut Schwarzbuch Markenfirmen vorgeworfen, dort fĂŒr die Zerstörung zahlreicher lokaler Betriebe und die Ausbeutung von Landarbeitern verantwortlich zu sein. Als grĂ¶ĂŸter Palmöl-Verarbeiter der Welt sei Unilever fĂŒr Ă€hnliche SchĂ€den, wie sie der Konzern den Biokraftstoffen vorwirft, selbst verantwortlich. FĂŒr die Herstellung von Kosmetika und Lebensmitteln fĂŒr Unilever bedĂŒrfe es der Rodung weiter FlĂ€chen Regenwald, um Palmöl anzubauen. Auf diese Weise wĂŒrden beispielsweise im Kongo der lokalen Bevölkerung große FlĂ€chen fĂŒr Palmöl-Plantagen zur Seifenherstellung weggenommen.cite-ref-39[39]

Kartellverfahren

Die EuropĂ€ische Kommission hat Unilever im April 2011 zusammen mit den Firmen Procter & Gamble sowie Henkel wegen Bildung eines Kartells zu einer Gesamtstrafe in Höhe von 315,2 Millionen Euro verurteilt. Auf Unilever entfielen 104 Millionen Euro der Strafe, die jedoch um 25 % reduziert wurde, da das Unternehmen mit der EuropĂ€ischen Kommission kooperierte und Details der Kartellvereinbarung preisgab. Weitere 10 % wurden erlassen, da Unilever einem Vergleich zustimmte und damit die Möglichkeit einer Klage gegen das Bußgeld entfiel. Das Kartell bestand von 2002 bis 2005 in den LĂ€ndern Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Belgien, Portugal und Griechenland und wurde zu systematischen Absprachen bei der Preisgestaltung fĂŒr Vollwaschmittelpulver fĂŒr die MaschinenwĂ€sche genutzt.cite-ref-40[40]

Quecksilbervergiftung in Indien

1986 kaufte Unilever die Kosmetikfirma Chesebrough-Pond’s. Diese produzierte im indischen Kodaikanal bis 2001 ca. 165 Millionen Quecksilberthermometer. Nach eigenen Berechnungen von Unilever sind mehr als zwei Tonnen Quecksilber in die Umwelt entwichen. Im Boden des FabrikgelĂ€ndes sind noch immer 360 Kilo des Stoffes enthalten. Auch auf einem nahe gelegenen Schrottplatz wurde verstecktes Quecksilber entdeckt. Das Unternehmen musste 300 Tonnen MĂŒll und Boden zur Entsorgung in die USA exportieren. Nun klagt die Gewerkschaft im Namen von mehr als 500 Arbeiterncite-ref-41[41] auf EntschĂ€digung.cite-ref-42[42] Unilever selbst weist in einer ErklĂ€rung jede Verantwortung von sich,cite-ref-43[43] auch wenn eine indische Studie zu dem Ergebnis kommt, dass die Symptome der Arbeiter auf die Quecksilberbelastung zurĂŒckzufĂŒhren sind.cite-ref-44[44]

Rassistische Werbung

Im Mai 2011 veröffentlichte Unilever eine Vorher-nachher-Werbung fĂŒr Dove-Duschgel von Unilever, in der drei Frauen vor zwei großen Bildern stehen, welche mit vorher und nachher beschriftet sind. Das mit vorher beschriftete Bild zeigt trockene Haut, wĂ€hrend das mit nachher beschriftete Bild gesunde Haut zeigt. Die drei Frauen sind nach Hautton von links nach rechts heller werdend aufgestellt, wobei die Frau mit der dunkelsten Haut vor dem mit vorher beschrifteten Bild steht und die Frau mit der hellsten vor dem mit nachher beschrifteten Bild.

Im Jahr 2017 zeigte eine Facebook-Werbung fĂŒr eine Dove-Hautcreme von Unilever, wie eine schwarze Frau sich beim Ausziehen ihres Oberteils in eine weiße Frau verwandelt. Der Werbespot wurde in zahlreichen Medien und u. a. von Ava DuVernay kritisiert. Unilever bzw. Dove ließ die rassistische Werbung entfernen, entschuldigte sich und erklĂ€rte, die Einschaltung sei „am Ziel vorbei geschossen“.cite-ref-45[45]

Kriegssponsoring

WĂ€hrend des Russischen Überfall auf die Ukraine hat die Ukraine Unilever im Juli 2023 auf ihre Liste der „internationalen Kriegssponsoren“ gesetzt und dies mit dessen anhaltender TĂ€tigkeit in Russland begrĂŒndet, insbesondere da nach Angaben der Nationalen Agentur fĂŒr KorruptionsbekĂ€mpfung durch die hohen Steuerzahlungen an den russischen Staat die FortfĂŒhrung des Krieges unterstĂŒtzt wĂŒrde.cite-ref-46[46]cite-ref-47[47] Das Unternehmen verlor durch die Lieferungen nach Russland den werbetrĂ€chtigen Titel des Hoflieferanten des britischen Königshauses.cite-ref-48[48]

Auszeichnungen

Unilever und Personen aus seinem Management erhielten fĂŒr ihre Unternehmenspolitik positive wie negative Auszeichnungen:

‱ Im Jahr 2011 erhielt Harry J. M. Brouwer den B.A.U.M.-Umweltpreis, weil er die „NachhaltigkeitsaktivitĂ€ten des Konzerns entscheidend geprĂ€gt und vorangetrieben“ habe.
‱ Rettet den Regenwald verlieh im gleichen Jahr Unilever seinen BAUM-AB-Preis. Der Anti-Preis wurde an Unilever „fĂŒr Beihilfe zur Umweltzerstörung und Missachtung der Menschenrechte in Indonesien“ verliehen.
‱ Im Jahr 2012 erhielt Unilever den Deutschen Nachhaltigkeitspreis in der Kategorie Deutschlands nachhaltigste Zukunftsstrategie. Das Unternehmen will seine GrĂ¶ĂŸe verdoppeln, gleichzeitig die Auswirkungen auf die Umwelt halbieren, 100 Prozent der landwirtschaftlichen Rohwaren aus nachhaltigem Anbau beziehen und das Leben von einer Milliarde Menschen verbessern.cite-ref-49[49]
‱ Im Jahr 2013 wurde der EuropĂ€ische Betriebsrat (UEWC) von Unilever fĂŒr sein anhaltendes Engagement um die Gestaltung der Mitbestimmungsrechte im multinationalen Unilever-Konzern mit dem Deutschen BetriebsrĂ€te-Preis 2013 in der Sonderkategorie „Europa mitbestimmen“ ausgezeichnet.cite-ref-50[50]cite-ref-51[51]cite-ref-52[52]

Siehe auch
Literatur

‱ Manfred Bissinger (Hrsg.): Die Geschichte der Markenmacher. 75 Jahre Unilever in Deutschland. Hoffmann und Campe, Hamburg 2005, ISBN 3-455-09534-8.

Weblinks

Commons

: Unilever

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

‱ Internationale Website von Unilever
‱ Deutsche Website von Unilever
‱ Österreichische Website von Unilever
‱ Schweizer Website von Unilever
‱ Unilever Reportage (Die Kunst des Unterschieds). (Memento vom 14. MĂ€rz 2010 im Internet Archive) in: brandeins. Wirtschaftsmagazin. Hamburg 2005, 8. ISSN 1438-9339
‱ FrĂŒhe Dokumente und Zeitungsartikel zur Unilever in den Historischen Pressearchiven der ZBW

Einzelnachweise

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